Brief an den Bundespräsidenten (2)

Bundespräsidialamt                                                                      Weiden, 2.08.2012

11010 Berlin

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Gauck,

ich habe Ihnen schon einmal geschrieben, sie werden sich vielleicht nicht mehr daran erinnern, bei der vielen Post und den vielen Dingen, die sie tagein und tagaus zu erledigen haben. Sie haben mir damals durch ihr Büro geantwortet, wofür ich mich sehr herzlich bedanken will.

Ich bin sehr beeindruckt, wie sie bisher Ihre Amtszeit für ihre Macht der Worte  nutzen. Als Stichwort sei hier nur erinnert an die Worte in Israel in Bezug auf die Aussagen der Kanzlerin zur Sicherheit Israels oder an die „Korrektur“ dessen was ihr Amtsvorgänger Wulf zum „Islam“ gesagt hat. Auch hier stimme ich mit ihnen vollkommen überein.

Beeindruckend fand ich auch den Mut, als Sie als allererster für sich entschieden haben, wegen der politischen Lage in der Ukraine nicht zur Fußball-EM  zu fahren. Gut, Deutschland ist ja ausgeschieden und vielleicht wären Sie ja dann doch wegen des Protokolls zum Endspiel gekommen.

Weswegen ich jetzt schreibe ist folgendes: Seit Putins Wiederwahl zum  Präsidenten hat sich die Lage für Oppositionelle  und alle, die gegen ihn und seinen „Machtapparat“ sind, verschlechtert. Als Beispiel nenne ich da nur die Sache mit dieser Frauenband den „Pussy Riots“. Es ist doch erbärmlich, dass dieser angeblicher „lupenreiner Demokrat“, wie einst Altbundeskanzler Gerhard Schröder ihn nannte, so mit anders Denkende umgehen muss. Sicher ist es vielleicht nicht angebracht in der Kirche so etwas zu machen, sie als ehemaliger Kirchenmann werden das sicher nicht gut heißen, aber dieser Prozess und die zu erwartende Strafe ist mehr als überzogen.

Ich frage mich aber, warum ich bisher von politischer Seite hier nichts höre, warum keine Stimme aus Deutschland hier mal zumindest dezent dem Kremlchef sagt, dass es für Demokratie Mindestspielregeln gibt.

Vielleicht könnten Sie ja den ersten Schritt dazu tun und sozusagen von „Präsident zu Präsident“ mit Herrn Putin reden oder  sonst schauen, dass hier etwas getan wird, um die zarte demokratische Blume, die es ja irgendwie noch gibt in Russland nicht ganz zu zerstören.

Bitte helfen Sie, wenn es geht,

Ihr Karl-Justus Human